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Scheidung - „Wir nehmen uns einen Anwalt“ – geht das?

Familienrecht · Scheidung · Trennung „Wir nehmen uns einen Anwalt“ – geht das? Nach einer Trennung wollen viele Paare Streit vermeiden und suchen gemeinsam das Gespräch mit einem Rechtsanwalt. Der Wunsch ist verständlich – die Lösung funktioniert so leider nicht. Die Trennung ist beschlossen, und beide Partner sind sich einig: Es soll kein Rosenkrieg werden. Keine eskalierten Gerichtsverfahren, kein jahrelanges Hin und Her. Manchen Paaren scheint es deshalb naheliegend, sich gemeinsam an einen Rechtsanwalt zu wenden, der dann – neutral und sachkundig – einen fairen Lösungsweg aufzeigt. Die Vorstellung klingt vernünftig. Sie beruht aber auf einem Missverständnis darüber, was ein Anwalt ist – und was er leisten kann. Was viele sich vorstellen Hinter dem Wunsch nach dem gemeinsamen Anwaltsbesuch steckt oft die Idee, dass ein erfahrener Jurist beide Seit...

Warum ich Nachbarschaftsstreitigkeiten grundsätzlich nicht übernehme

Kanzleihinweis · Tätigkeitsschwerpunkte Warum ich Nachbarschaftsstreitigkeiten grundsätzlich nicht übernehme Eine sachliche Erläuterung meiner Mandatspolitik – für alle, die sich fragen, weshalb ich in diesem Bereich nicht tätig werde. Gelegentlich werde ich gefragt, ob ich auch bei Auseinandersetzungen zwischen Nachbarn anwaltlichen Beistand leisten kann. Meine Antwort ist in aller Regel: Nein. Das hat nichts mit fehlendem Verständnis für die Situation der Betroffenen zu tun – Nachbarschaftsstreitigkeiten können außerordentlich belastend sein. Es ist vielmehr eine Entscheidung, die ich nach eingehender Praxiserfahrung bewusst getroffen habe und die ich nachfolgend erläutern möchte. Das strukturelle Problem: kein absehbares Ende Nachbarschaftsstreitigkeiten unterscheiden sich in einem wesentlichen Punkt von den meisten anderen Rechtsstreitigkeiten: Ein ge...

Erbschleicherei

Erbrecht · Aktuelle Rechtsprechung Erbschleicherei: Wenn der letzte Wille fremdbestimmt ist Zwei aktuelle Entscheidungen von OLG Celle und BGH zeigen, wie sich Angehörige wehren können – und wann Gerichte zweifelhaften Testamenten und missbrauchten Vorsorgevollmachten den Riegel vorschieben. „Vier Tage nach dem Einzug bei ihrer Berufsbetreuerin verstarb die 92-jährige Erblasserin. Den Erbschein bekam die Betreuerin nie." In Deutschland wird mehr vererbt als jemals zuvor – und gleichzeitig leben immer mehr Menschen in langjähriger Pflegeabhängigkeit. Eine Konstellation, die der sogenannten Erbschleicherei Tür und Tor öffnet. Immer häufiger werden Familien von Testamenten überrascht, in denen plötzlich Pflegekräfte, Berufsbetreuer oder einzelne Verwandte als Alleinerben auftauchen. Zwei aktuelle Gerichtsentscheidungen geben Angehörigen jetzt deutlich bessere Karten in die Hand. Wenn das Testament gegen die guten Sitten verstößt Nicht je...

Wenn die eigentliche Strafe erst nach dem Urteil beginnt

Strafrecht · Berufsrecht Warum die berufsrechtlichen Nebenfolgen einer Verurteilung oft härter treffen als das Strafurteil selbst – und was das für die Verteidigungsstrategie bedeutet. Für viele Mandanten ist eine Geldstrafe oder eine Bewährungsstrafe am Ende eines Strafverfahrens nicht das Ende der Sorgen, sondern erst der Anfang. Denn jenseits des Strafgesetzbuches wartet ein zweites, oft unterschätztes Regelwerk: das Berufsrecht. Ärztinnen, Rechtsanwälte, Steuerberater, Notare, Beamte, Polizisten, Sicherheitsmitarbeiter, Fahrlehrer, Apothekerinnen, Architekten – sie alle können nach einem Urteil ihre berufliche Existenz verlieren, obwohl das Strafgericht sie nie zu Haft verurteilt hat. Ein aktueller Fachbeitrag im Anwaltspraxis Magazin (Ausgabe 2/2026) bringt diesen Gedanken auf den Punkt: Für viele Berufsgruppen ist die berufsrechtliche Nebenfolge nicht Anhängsel, sondern Kern des Risikos. Wer das als Verteidiger übersieht, verteidigt am ei...

Trennung als Steuerrettung – ein Geheimtipp für unverheiratete Paare

Trennung als Steuerrettung? Was unverheiratete Paare wissen müssen Steuer- & Familienrecht · Aktuell Trennung als Steuerrettung – ein Geheimtipp für unverheiratete Paare Was § 29 ErbStG mit Schenkungen unter Lebensgefährten zu tun hat – und warum die Beratung ohne Trauschein immer wichtiger wird Aktuelles aus der Rechtsprechung zum Schenkungsteuerrecht Viele Paare, die ohne Trauschein zusammenleben, machen sich über Steuern zunächst wenig Gedanken. Warum auch? Man liebt sich, man teilt das Leben – und was der eine dem anderen schenkt, ist doch Privatsache. Doch weit gefehlt: Das Steuerrecht kennt keine Romantik. Zuwendungen unter unverheirateten Lebensgefährten sind – anders als unter Eheleuten – in vollem Umfang schenkungsteuerpflichtig. Was kaum bekannt ist: Ausgerechnet eine echte Trennung kann in dieser Situation zum steuerlichen Rettungsanker werden. Die aktuelle Rechtsprechung hat einen Mechanismus ans Licht gebracht, der für viele Betroffene...

Wenn der Erblasser das Vermögen schon zu Lebzeiten weggibt – welche Hebel haben Pflichtteilsberechtigte?

Erbrecht aktuell Wenn der Erblasser das Vermögen schon zu Lebzeiten weggibt – welche Hebel haben Pflichtteilsberechtigte? Pflichtteilsergänzung bei Immobilien, Lebensversicherungen und Ehegattenschenkungen „Wer glaubt, den Pflichtteil durch Schenkungen zu Lebzeiten aushebeln zu können, hat die Rechnung ohne § 2325 BGB gemacht." Zur Bedeutung der Pflichtteilsergänzung in der erbrechtlichen Praxis Ein häufiges Szenario in der erbrechtlichen Beratung: Der Erblasser hat noch zu Lebzeiten wesentliche Vermögenswerte verschoben – eine Immobilie an den neuen Ehepartner übertragen, eine Lebensversicherung zugunsten Dritter abgeschlossen oder Geld an einzelne Familienmitglieder verschenkt. Für die Pflichtteilsberechtigten, die bei der Erbfolge leer ausgehen, scheint der Nachlass dann plötzlich nahezu wertlos zu sein. Doch das Gesetz bietet hier einen wichtigen Schutz: die Pflichtteilsergänzung nach § 2325 BGB . Was ist die ...